Das auf der Piazza Antenore vor dem Präfekturgebäude gelegene Grab des sagenhaften Stadtgründers Antenor zählt zu den ungewöhnlichsten historischen Denkmälern in Padua, denn es ist bis heute mythos-umwoben. Das mittelalterliche Monument geht auf einen Fund aus dem Jahr 1274 zurück, als bei Bauarbeiten zwei Särge aus Zypressenholz und Blei entdeckt wurden. In ihnen befanden sich Vasen mit Goldmünzen sowie ein Schwert. Der Humanist Lovato dei Lovati erhielt den Auftrag, die menschlichen Überreste zu identifizieren. Er schrieb sie dem trojanischen Helden Antenor zu, der nach der Überlieferung des römischen Historikers Titus Livius als legendärer Gründer Paduas gilt.
Die vermeintlichen Überreste entpuppen sich als ungarischer Krieger
Im Jahr 1283 wurde beschlossen, für die vermeintlichen Überreste ein Denkmal in Form einer spitz zulaufenden Ädikula aus Ziegel und Stein zu errichten. An den Seiten ließ Lovati zwei seiner lateinischen Quartinen eingravieren. Ursprünglich stand das Monument in der Nähe der mittelalterlichen Kirche San Lorenzo, die heute nicht mehr existiert. Nach der Entweihung der Kirche im Jahr 1808 infolge der Klosteraufhebungen und ihrem endgültigen Abriss 1937 entstand der heutige Platz Antenore. Während der faschistischen Umgestaltung – damals als Piazza XI Maggio bezeichnet – blieb das Grab im Zentrum des Platzes erhalten.
1942 wurde zudem das Grab Lovatis neben dem Antenor-Denkmal aufgestellt. Eine archäologische Öffnung des Grabes im Jahr 1985 brachte jedoch ein überraschendes Ergebnis: Statt der erwarteten Überreste eines trojanischen Fürsten fanden sich die Gebeine eines ungarischen Kriegers aus dem 9. Jahrhundert, der vermutlich während einer Invasion ums Leben gekommen war.
Sehenswürdigkeit in Padua
Das Grab des Antenor verbindet Mythologie, mittelalterliche Gelehrsamkeit und moderne Archäologie und ist heute eine bedeutende Sehenswürdigkeit im historischen Zentrum von Padua.
- Adresse: Piazza Antenore