Chiesa degli Eremitani in Padua: Historisches Meisterwerk mit bewegter Vergangenheit

Innenansicht der Chiesa degli Eremitani in Padua

Die Chiesa degli Eremitani wurde im Jahr 1276 auf antiken Fundamenten errichtet und 1306 mit einer hölzernen Deckenkonstruktion vollendet. Sie befindet sich an der Piazza Eremitani, nur wenige Schritte von der berühmten Scrovegni-Kapelle entfernt.

Trotz ihrer eher schlichten Außenfassade galt die Kirche einst als bedeutendes Zentrum der Freskenmalerei. Ein verheerender Luftangriff am 11. März 1944 zerstörte jedoch große Teile des Gebäudes sowie zahlreiche Kunstwerke. Besonders betroffen waren die Freskenzyklen in der Apsis, der Dotto-Kapelle und der Ovetari-Kapelle von Künstlern wie Andrea Mantegna und Altichiero da Zevio.

Heute zählt die Kirche zu den im Zweiten Weltkrieg am stärksten beschädigten Bauwerken Paduas. Dennoch sind Teile der Fresken – insbesondere in der Ovetari-Kapelle – erhalten geblieben und zeugen noch immer von ihrer einstigen Pracht.

Architektur der Eremitani-Kirche: Gotik trifft auf schlichte Ordensbauweise

Die Kirche wurde von Fra Giovanni degli Eremitani errichtet und ist den Heiligen Philippus und Jakobus gewidmet. Ihren heutigen Namen verdankt sie dem angrenzenden Kloster, das einst Pilger beherbergte und heute das Museum beherbergt.

Typisch für Gebäude des Augustinerordens ist der rechteckige Grundriss („granaio“). Ergänzt wird dieser durch Seitenkapellen, eine Apsis und einen Seiteneingang. Die Architektur ist bewusst schlicht gehalten, weist jedoch sowohl gotische als auch romanische Elemente auf.

Die Fassade aus dem Jahr 1360 ist zweigeteilt:

  • Oberer Bereich mit Rosettenfenster und kleinen Fenstern
  • Unterer Bereich mit charakteristischer Pseudo-Loggia und Blindbögen

Besonders sehenswert ist der Seiteneingang mit den Monatsallegorien von Nicolò Baroncelli aus dem Jahr 1442, auch bekannt als „Tür der Monate“.

Fresken und Kunstwerke: Von Giotto inspiriert

Im Inneren beeindruckt das langgestreckte Kirchenschiff mit seiner hölzernen Gewölbedecke und den farblich abgestimmten Backsteinwänden. Die kunsthistorische Bedeutung zeigt sich vor allem in den Kapellen:

  • Ovetari-Kapelle: Reste von Fresken, darunter Szenen wie die Himmelfahrt und das Martyrium des Heiligen Christophorus
  • Cappella Maggiore: Gut erhaltene Fresken von Guariento (1361–1365), inspiriert von Giotto di Bondone
  • Sanguinacci-Kapelle: Fresken von Giusto de’ Menabuoi sowie der Sarkophag von Ilario Sanguinacci

Guariento orientierte sich stilistisch stark an Giotto und versuchte, dreidimensionale Effekte in die Malerei zu integrieren – ein bedeutender Schritt in der Entwicklung der Kunst.

Weitere Highlights sind ein bemaltes Kreuz von Nicoletto Semitecolo sowie bedeutende Werke in der Sakristei, darunter ein Fresko von Altichiero.

Musei Civici agli Eremitani: Kunst und Geschichte an einem Ort

Im ehemaligen Kloster neben der Kirche befinden sich heute die Musei Civici agli Eremitani. Das Museum beherbergt eine bedeutende Sammlung von Kunstwerken und archäologischen Funden und ergänzt den Besuch der Kirche ideal. Wer möchte, kann sich hier auch im Museums-Shop ein Souvenir mitnehmen. Ich als Kunst- und Geschichtsliebhaber kaufe mir stets den Ausstellungskatalog, da man diesen in der Regel nur in den Museen erhält.

Besucherinformationen zur Chiesa degli Eremitani

  • Adresse: Piazza Eremitani 8, Padua
  • Telefon: +39 049 8204551
  • Website: padovacultura.padovanet.it
  • Öffnungszeiten: täglich 9:00 – 19:00 Uhr
  • Eintritt: ca. 10 €
  • am besten vorab online buchen, da freie Plätze begrenzt sind