Castello Carrarese mit Specola: Mittelalterliche Burg und Sternwarte in Padua

Blick auf das Schloss Carrarese mit der Specola

Etwa 1,9 Kilometer südlich des Palazzo Cavalli befindet sich das Castello Carrarese, auch bekannt als Castelvecchio oder Castello di Padova. Die Anlage wurde im 14. Jahrhundert als strategisch bedeutende Festung zwischen dem Naviglio-Kanal und dem Tronco Maestro des Flusses Bacchiglione errichtet.

Bereits im 9. Jahrhundert existierte an dieser Stelle eine befestigte Anlage mit Wehrturm, deren Ursprünge bis in die Zeit zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert zurückreichen. Die erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1062.

Die Herrschaft von Ezzelino III da Romano

Im Jahr 1237 begann der Tyrann Ezzelino III. da Romano mit dem Ausbau der Festung auf den Resten der älteren Anlage. Das damalige Castello di Ezzelino war aufgrund seiner Grausamkeit gefürchtet.

Besonders berüchtigt war der Hauptturm Torlonga, der als Gefängnis mit grausamen Foltermethoden genutzt wurde. Zeitgenössischen Berichten zufolge wurden nach der Eroberung durch die Guelfen hunderte Gefangene und Skelette im Turm entdeckt – ein düsteres Kapitel der Stadtgeschichte.

Die Carraresi und der Ausbau im 14. Jahrhundert

Nach einer Phase des Leerstands übernahmen die Carraresi in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Anlage und bauten sie weiter aus. Sie verliehen dem Schloss ein neues Erscheinungsbild:

  • Türme im rot-weißen Schachbrettmuster
  • reich verzierte Innenräume mit Fresken
  • Bau eines Brunnens (1374) unter Francesco il Vecchio da Carrara

Seit dieser Zeit wurde die Anlage auch als Castello di Francesco il Vecchio bezeichnet.

Vom Militärstützpunkt zur Sternwarte

Während der venezianischen Herrschaft diente die Piazza Castello als militärischer Übungsplatz und sogar als Hinrichtungsstätte. Mit dem Ausbau der Stadtbefestigung verlor das Schloss jedoch zunehmend an strategischer Bedeutung.

Ein bedeutender Wandel erfolgte im Jahr 1777: Der Torlonga-Turm wurde zur Sternwarte umgebaut. Daraus entstand die berühmte Specola di Padova.

Der Turm wurde mit astronomischen Fresken ausgestattet und erhielt moderne Instrumente wie:

  • Teleskope
  • Pendeluhren
  • Messgeräte für Himmelskoordinaten

Auch ein Blitzableiter nach dem Vorbild von Benjamin Franklin wurde installiert.

Nutzung in der Neuzeit

Unter Napoleon Bonaparte wurde 1806 per Dekret festgelegt, dass die Specola zusammen mit der Universität Padua erhalten bleibt.

Im 20. Jahrhundert erlebte die Anlage mehrere Nutzungsänderungen:

  • Nutzung als Gefängnis (19. und 20. Jh.)
  • Beschlagnahmung im Ersten Weltkrieg
  • Rückgabe an die Universität 1919

Seit der Eröffnung eines neuen Observatoriums in Asiago im Jahr 1942 dient der Turm nicht mehr der astronomischen Forschung.

Die Specola heute: Museum und Aussichtspunkt

Heute ist die Specola ein Museum für Astronomiegeschichte. Besucher können historische Instrumente sowie die beeindruckende Turmarchitektur entdecken.

  • Höhe: ca. 49,5 Meter (über 53 m mit Blitzableiter)
  • Aufstieg: 252 Stufen (mit ein wenig Kondition machbar)
  • nicht behindertengerecht!

Nutzung: Museum, Archiv und Bibliothek

Ein besonderes Highlight ist ein Raum im ehemaligen Astronomenhaus mit außergewöhnlichen Papageien-Fresken, der einst als Speisesaal genutzt wurde.

Besucherinformationen des Castello Carrarese und Specola

  • Adresse: Piazza del Castello 16, Padua
  • Telefon: 049 8205611
  • Websites:
    • www.padovanet.it
    • www.beniculturali.inaf.it
  • Öffnungszeiten Specola:
    • Sa & So: 16:00 (Nebensaison), 18:00 (Hauptsaison)
  • Eintritt: ca. 8 € (Tickets im Oratorio di San Michele erhältlich)
  • Hinweis: Das Schloss selbst ist innen leider nicht frei zugänglich